Tag 2 – Wozu ein Selfie? Und warum gibt es kein Frühstück mehr?

Den vielleicht hinterhältigsten Tipp habe ich von einem Bekannten erhalten: Ich solle vor dem Abnehmen drei Fotos von mir machen. Vorne, Seite, hinten. In Badehose. Das Ergebnis sah übler aus als befürchtet. Viel übler. Wer erwartet, dass ich es veröffentliche … keine Chance. Nehmt stattdessen diese nette Ansicht von der ersten Mahlzeit des Tages:

Eier, Bohnen und Sauerkraut. Ich liebe Sauerkraut. Doch man kann es ersetzen. Irgendein Gemüse tut es auch. Zubereitungszeit: 7 Minuten.

Eier, Bohnen und Sauerkraut. Ich liebe Sauerkraut. Doch man kann es ersetzen. Irgendein Gemüse tut es auch. Zubereitungszeit: 7 Minuten.

Dann gab er mir noch einen Tipp: Ich solle das Foto aufhängen, am besten dort, wo ich es häufiger sehe, oder bessser noch dort, wo die Verlockungen sind. Auf der Tür des Kühlschranks, zum Beispiel. Oder wo die Gummibärchen lagern. Oder auf der Kellertür, hinter der das Bier kühlt. Als knallharte Abschreckung.

Zuviel ist zuviel. Ich habe es auf Passfotogröße verkleinert und es irgendwo in meiner Brieftasche versteckt. Und ich hoffe, dass ich die niemals irgendwo verliere oder vergesse…

Die Sache mit dem Messen

A) Gewicht

Ich dachte, ich muss mir eine präzise Waage besorgen und wusste zunächst nicht, dass wir eine ziemlich präzise Waage im Haus haben. Beim letzten großen Test der bekannten Stiftung Warentest war sie der Preisleistungssieger. Sie gibt es immer noch, und zwar im Laden um die Ecke. Irgendwo ist immer ein Rossmann, oder?

Genauer als die Körperanalyse-Waage von Rossmann stellt nur noch die Tilda von ADE das Gewicht fest. Tilda kostet um die 30,- Euro. Für 15,- Euro ist das Rossmann-Teil also ein Schnäppchen.

Weiteres Testergebnis: Vergiss Körperfett- und andere Anzeigen. Die eine Waage zeigt 15 % an, eine andere 35 %. Selbst ein- und dieselbe Waage schwankt: Wenn ich viel Wasser trinke, sinkt mein Körperfettanteil. Dennoch benutze ich die Rossmann wenigstens als Schnellkontrolle, sorge vor jeder Messung aber für annäherend gleiche Bedingungen (nach dem Aufwachen sofort zwei Flaschen Wasser trinken, nach einer halben Stunde auf die Toilette, dann sofort messen).

B) Körperfett

Wenn Körperfettwaagen nicht funktionieren, was dann? Der Körperfettanteil lässt sich am präzisesten mit einer klinischen Knochendichtemessung nach dem DXA (DEXA) Verfahren feststellen. Manche Orthopäden und fast alle Kliniken bieten das an – das ist privat zu zahlen. Der Fettanteil einzelner Körperteile wird mit Ultraschall gemessen (wer es sich leisten mag, die Geräte kosten um 500 Euro). Günstiger und ausreichend präzise sind Körperfettzangen. 10 – 20 Euro inkl. Umrechnungstabellen und Software. Auf die Tabellen und die Software könnt Ihr getrost verzichten. Es gibt online komfortable Rechner, wo ich nur die Werte eintrage und fertig. Zwischen dem Ergebnis der Körperfettwaage (weit über 30 %) und dem Zangenergebnis (23,7 %) lagen Welten. Mir kommt es aber nicht auf den absoluten Wert an, sondern auf die Entwicklung in den kommenden Wochen. Daher messe ich mit die ungenauen Waage wöchentlich, und mit der Zange (dauert auch immerhin eine Viertelstunde, die Prozedur) erst, wenn mir die Entwicklung der Wert von der Waage spanisch vorkommt.

Wie misst man mit dieser Zange? Das ist einfach. Am besten mit der 7-Falten-Methode. Dann hat man mehr Messpunkte. Die meisten Unterschiede kommen durch Messfehler zustande und auf diese Weise nivelliert sich das alles ein bisschen.

Man kneift die Zange in die Hautfalten an sieben definierten Stellen des Körpers und misst die Dicke in Millimeter. Zu Zweit geht das einfacher, ich habe es auch allein hinbekommen, indem ich die Zange, die eine Feder hat und so fest an der Falte hängt, fotografiere (denn draufgucken funktioniert aufgrund verschiedener Winkel nicht immer). Am Foto kann ich dann ablesen, was Sache ist.

C) Umfang

Ich denke mir, auch um Messungenauigkeiten auszuschließen, aber auch für ein Plus an Motivation, dass es gut ist, mehr als nur den Bauchumfang zu nehmen:

  1. Bauch
  2. Taille
  3. Hüfte
  4. Oberschenkel
  5. Oberarme

Warum so viele? Ganz einfach, ich addiere alle sieben (ja, 7, denn ich habe ja 2 Beine und 2 Arme) Werte und heraus kommt ein Gesamtumfang. Mich interessiert nur diese Gesamtsumme. Sie ist das Kriterium für Fettverlust. Nur so zur Sicherheit. Es könnte ja sein, dass mein Bauchumfang nicht zurückgeht nach einer Woche, dafür aber irgendwoanders Fett verschwunden ist. Dann würde ich es nicht mitbekommen. Nichts ist frustrierender, als sich eine Zeitlang nach einem Plan auszurichten, sich wirklich dran zu halten, und dann keine Ergebnisse, oder schlimmer noch, negative zu erhalten.

Umgekehrt: Nichts ist schöner, als positive zu erhalten. Bei der Additionsmethode wird – wenn es eine Veränderung gibt – diese jedenfalls deutlich sichtbarer sein, als wenn ich nur einen Wert habe.

Bei der Hypnose-CD gestern abend bin ich übrigens irgendwann eingeschlafen, ich habe das Gefühl, zuwenig mitbekommen zu haben, aber nach fünf Paranüssen heute früh war ich so satt, dass ich die Zeit zum eigentlichen Frühstück ohne Magenknurren locker überbrücke.

Apropos Frühstück. Die Mahlzeiten bestehen alle aus den gleichen Grundbestandteilen. Meist aufgewärmt, nur Ei und Fleisch gebraten. Das heißt, es macht keinen Sinn mehr, den Mahlzeiten den üblichen Namen zu geben, wie etwa „Frühstück“. Das erweckt eine falsche Erwartungshaltung auf Toast mit Ei, Müsli oder Brötchen mit Marmelade. Korrekt wäre es, einfach durchzunumerieren oder die Uhrzeit zu nennen. Man kann aus wenigen Grundbestandteilen dennoch 1000 Varianten herstellen. Mit unterschiedlichen Gewürzen, Saucen, Dips, Pestos, Relishes und Reduktionen. Hauptsache, sie enthalten keinen Zucker und keine Sahne. Dann, schätze ich, bin ich auf der sicheren Seite.

Das Wichtigste: Nichts dauert länger als zehn Minuten. Nur TK muss ich vorher rauslegen, ein paar Stunden, und das mache ich am besten am Vorabend oder nach dem Aufstehen, sonst dauert das Auftauen zu lange.

Ganz anbei: Wer die Diätseiten von Frauenzeitschriften durchblättert, wird mit Bilder von frischen Salaten, frischem Obst und frischem Gemüse bombardiert. Nichts darf aus der Dose sein. Dosenfutter ist tabu. Aber weiß: Nichts dauert länger und ist langweiliger als das ewige Schnippeln für frische Salate, Eintöpfe, Pfannengerichte.

Die Frage eines Freundes, ob Nahrung aus der Dose okay sei oder ungesund, brachte mich bereits vor Jahren auf die Idee, dieser Frage nachzugehen. Später dazu die Fakten, hier als Anreger dieses Video:

pbger

Andreas Hahm-Gerling ist Journalist (Gruner + Jahr, RTL) und führt einen Audioverlag. Gemeinsam mit seiner Frau Friederike produziert er Selbsthilfe-CDs. Vier Kinder erfordern täglich kreative Lösungen für unlösbare Probleme. In seinem Abnehmblog mischt er männliche Perspektive mit weiblichen Einsichten.